Fernschreiber

Schädlingsbekämpfungsmaßnahme

Abtreibung ist Mord

Seit Menschengedenken wird abgetrieben.

Eine lange Zeit wurde das verboten, auch heutzutage ist die Abtreibung immer noch umstritten. Warum?

Grob festzuhalten sind wohl zwei Hauptströmungen, die – ebenfalls zwei- Meinungslager bilden: Anhänger des ersten Lagers glauben, dass das bewusste pränatale Leben eines Individuums früher einsetzt, und plädieren deshalb auf Mord, während das andere Lager der Meinung ist, das Bewusste des Lebendigen erwache zwar pränatal, aber zu einem späteren Zeitpunkt. Deshalb sei der Tatbestand höchstens der Totschlag an einem sich selbst unbewussten Wirbeltier, also irgendwie irrelevant.

Demnach ist in der Debatte um den Abbruch der Zeitpunkt des selbigen ausschlaggebend. In Deutschland wurde bekanntermaßen festgelegt, dass ein Abbruch im ersten Trimenon legal ist.

Trotz dieser gesetzlichen Regelung gibt es Sticker, auf denen „Abtreibung ist Mord“ zu lesen ist, und Demonstranten, die Transpis mit dem gleichen Text vor Abtreibungskliniken schwenken.

Deren Argumentation basiert auf der Annahme, das Bewusste des Lebendigen entstünde genau im Moment der Zeugung, was jedes Gegenargument sofort aushebelt.

 Abtreibungsgegner sind überwiegend religiöse Menschen. Das ganze Mittelalter über hatten sie die Oberhand, stark gemacht durch den Sexismus der Kirche: Der weiblich initiierte Sündenfall, lüsternes Fleisch, das Geist und Moral versuchte – unter Schmerzen sollst du gebären, sündiges Weib. Und nicht die gottgegebenen Kinder ermorden.

Haufenweise Hebammen wurden verbrannt, weil sie Frauen beim Loswerden der ungewollten Schwangerschaften halfen, dem uralten Wissen um die Wirkung austreibender Pflanzen wurde nach dem Leben getrachtet.

Selbstverständlich wurde die Freiheit der Frauen, sich pro oder contra zu entscheiden, aus mehreren Gründen abgelehnt, aber Totschlagargument im wörtlichsten Sinne war auch hier die Beseelung (durch göttliche Absicht) im Moment der Befruchtung.

 Medizinisch gesehen ist ein Bewusstsein in den ersten Wochen schlichtweg auszuschließen. Erste Hirnströme des Fötus können nach sechs Wochen gemessen werden, wobei diese Signale wahrscheinlich eher vegetativ denn Ich-bezogen funktionieren, etwa wie ein Klopfen am Mikrofon, Eins, zwo, eins, zwo, Test. Klopf, Klopf.

In erstaunlicher Geschwindigkeit verliert der Zellklumpen seine Abstraktheit und bekommt Wirbeltierattribute. Das ist faszinierend, weist aber nicht auf einen individuellen Lebenswillen hin.

Dass prinzipieller Lebenswille besteht, ist offensichtlich:

Die menschliche Schwangerschaft ist parasitär. Die Leibesfrucht gedeiht meistens auch unter widrigen Umständen, während die Wirtin einbüßt. Das bekommen wir westlichen Frauen weniger zu spüren als Frauen, deren Bedingungen viel schlechter sind als unsere.

Ob aber der Wille eines Keimlings, zu wachsen, dem Willen einer definitiv sich selbst bewussten Frau überliegen sollte, ist nicht einmal fraglich, sondern schlicht mit „Nein“ zu beantworten.

 Wirft man einen Blick auf Zeiten vor dem Mittelalter, werden die Informationen vage, weil schlechter dokumentiert. Trotzdem finden sich Hinweise auf Abbrüche, genau wie auf Verhütungstechniken. Eibe und Wermut waren in unseren Breitengraden beliebt, weil wirksam, wenn auch in der Dosierung problematisch, weil schnell tödlich.
Der Name des Wermuts (Wormwood) leitet sich vom altenglischen „Wermod“ ab, was in etwa „Wumholz“ bedeutet, Mittel gegen Würmer, antiparasitär. Siehe oben.
Ein paar Säugetiervetreter der R-Strategen wie Kaninchen oder Ratten resorbieren ihre Embryonen, wenn die Zeiten schlechter werden, sprich: Wenn weniger Ressourcen für potentiellen Nachwuchs in Aussicht stehen. Uns K-Stategen geht dieser Skill ab, wir sind auf Fremdeinwirkung angewiesen.
Darum sollten mehr Lanzen gebrochen werden für die Abtreibung. Für die Abtreibung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt. Ob sich der Fötus das gesamte erste Trimenon über in unbewusstem Zustand befindet, ist nicht eindeutig festzustellen.
§4, Absatz 1, Tierschutzgesetz: Ein Wirbeltier darf nur unter wirksamer Schmerzausschaltung (Betäubung) in einem Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres (…) oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.

4 Kommentare zu Schädlingsbekämpfungsmaßnahme

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