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Jag Älskar Sverige

Die letzten Widerstandskämpfer von Malmberget

Malmberget, Norbotten, Schweden.

6017 Einwohner, hier liegt der Hund begraben: 67°10’31“ N, 20°39’18“ O.

Und nicht nur der Hund: Mitten in der Stadt klafft ein Loch, 250 Meter tief und Folge des Erzrausches, der 1888 begann. Der unterhöhlte Grund bröselt, Siedlungen sacken ab. Man verlässt Malmberget, zieht nach Gällivare. Drei Kilometer weiter.

Um die Orte Malmberget und Gällivare herum gibt es Bäume. Die lassen keinen Platz für anderes. Von oben betrachtet muss es wie ein dunkelgrüner Ozean aussehen: Wälder bis an Norbottens Grenzen, größtenteils auch darüber hinaus.

Obwohl hier der Hund begraben ist, steppt der Bär: Davon gibt es wesentlich mehr als Menschen in Norbotten. So sagt man jedenfalls, die Aussage lässt sich aber schlichtweg nicht prüfen: Die Bären und die übriggebliebenen Menschen sehen sich hier nämlich zum Verwechseln ähnlich. Hören sich gleich an, riechen gleich. Das fortschrittliche Schweden! Ganz augenscheinlich ist er temperaturempfindlich, dieser Fortschritt, obwohl doch skandinavisch- jedenfalls hat er irgendwo weiter im Süden des Landes Halt gemacht, sich verloren in den endlosen Wäldern. Vielleicht hat ihn am Ende sogar ein Bär gefressen. Oder einer, der nur wie ein Bär aussieht, klingt und riecht. Aber diese Überlegung führt zu weit, lassen wir das.

Torger Bergström, 14 Jahre alt, kein Bär, ist hier aufgewachsen. Sein Vater war Grubenarbeiter, sein Großvater auch. Und dessen Vater und so weiter. Aktuell ist Torgers Vater arbeitslos, weil die Grube wegen Einsturzgefahr dicht gemacht werden musste. Jetzt hockt er zuhause und säuft, wie die Mehrheit der übriggebliebenen Männer. Sonst macht er nichts, hat keine Zeit, muss Saufen. Im Winter, weil es drei Wochen am Stück Nacht bleibt und auch sonst kaum Tag wird. Das tut weh. Im Sommer, weil es drei Wochen am Stück hell bleibt und auch sonst kaum dunkel wird, das muss man feiern.

Eigentlich wollte Torger fort, nach Gällivare. Unter Menschen. Jetzt muss er bleiben, die Stadt halten. Zu viele Einwanderer letztes Jahr. Um ihnen das Territorium nicht kampflos zu überlassen, macht Torger Holz, sommers wie winters. So kann er sich finanzieren, auch den versoffenen Vater. Schule? Er winkt ab. Braucht er nicht. Interessiert nicht. Ihn interessiert Ikea, die zahlen bekanntlich. Außerdem interessiert er sich für Kiefern, Fichten und Eschen. Als Alternative zu Erz. Und Geld. Und, vor allem, Schweden. Verdammter Olof Palme. Torger spuckt aus. Dem ganzen Land wird es so gehen wie Malmberget, prophezeit er. Unterhöhlt wird es werden, einstürzen.

Um das zu verhindern, haben er und sein Bruder Goran eine Bürgerwehr gegründet. Bewachen die Stadt.Von den 163.000 Zuwanderern, die 2015 nach Schweden gezogen sind, lebt keiner in Malmberget.Aber die werden kommen, da sind sich Torger und Goran sicher. Halb-alphabetisierte Menschen, die ihnen die Bäume streitig machen, den letzten Rest Erz, die letzten Frauen, die Handys. Wenn sie kommt, die Einwanderungsflut, wird sie auf Widerstand treffen, soviel ist sicher.

Last uns in Ruhe!

Malmberget den erlichen Schweden!

Schmarotser nach hause!

Hat die Bürgerwehr vorsorglich an Hauswände am Stadtrand gesprayt.Sie halten die Stellung, die letzten Widerstandskämpfer von Malmberget. Umgeben von Wäldern und Bären harren sie aus, wild entschlossen, den Invasoren keinen Zentimeter ihrer Stadt zu überlassen.

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