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FrustRating – Kneipen & Bars: Publikum

Elbschlosskeller (GE) „Alkohlkonsum und Einkommen sind neagtiv korreliert“ (P. Hartz, Familienminister a.D.). Ein unscheinbares Zitat mit der Kernaussage: „Umso mehr du trinkst, desto höher dein Gehalt“. Doch wohin nur mit all‘ dem Schotter? Seitdem sich die Türkei und Nordafrika für Billig-Pauschal-Reisende als No-Go-Area entwickelen haben, verbringen immer mehr Deutsche ihren Urlaub unter der Kneipensonne ihres heimischen Quartiers. Unter ihren Mitstreitern finden sich die exotischsten Individuen. Vom Trinker bis zum Banker Säufer, fröhliche Menschen jedweder Couleur.

Das Gesellschafts-Echo hat deshalb seinen Praktikanten durch die virtuelle Kneipen- und Barwelt geschickt, um für Sie die besten Bewertungen von Publikum einzusammeln. Machen Sie sich’s mit ner schönen Molle auf Ihrer LED-weiße-Kunstlederoptik-Couch von POCO-Domäne so richtig gemütlich und genießen die wundersamen Bewertungen*:

„Vier Sterne für wahre authentizität und entertainment – abzüge für das männerklo. öffnungszeiten gibt es nicht – die gäste trinken in 2 schichten 24 stunden täglich.“

„Eine Kellerkneipe mit niedriger Gewölbedecke, wurde unlängst von ein paar Realitätsverweigerern zur Kneipe für Larper, Nachwuchsgoths und sonstigen Leuten umgewidmet denen eine richtige Bar zu rasant ist.“

„Das Publikum war sehr wedding, sehr hipster, sehr gay. Und für einen Montag auch sehr zahlreich“

„Ein Schuppen in dem du das Volk des Untergrundes finden kannst. Punks,Rocker,Streetkids und Alkoholiker geben sich hier ein stelldichein.Und warum? Weil du hier das billigste Bier auf dem Kiez finden kannst. Ich war hier einmal durch Zufall geladet und kann nur sagen:Nie wieder!Never!! (…) Grusel pur! Oder es mal mit den Worten von Oliver Uschmann zu beschreiben: Da tanzt der Lump! Oder besser..Da säuft der Lump!“

„Studenten und Traumtänzer, jedoch alles mit einem Hang zum Alternativen. Gegen 0:30 Uhr kam plötzlich ein Man mit Gitarre und sang. Nicht besonders gut, aber er sang.“

„Hier verlieren sich die ganz hart Gesottenen aus der Punkszene. Wegen der 24-Stunden-Öffnungszeiten am Wochenende und den 1-Euro-Bierpreisen fliegt das Gesocks auf die Kneipe wie die Motten in das Licht. Nur das es im Trinkteufel eher dunkel zugeht, es riecht nach kaltem Rauch und in den Ecken schlafen hier und dort mal ein paar Obdachlose. Damit muss man rechnen.“

„Langweilig, Küchenatmosphäre, nix los außer hier und da ein paar geschwätzige Weltverbesser, die über die große Weltpolitik schwadronierenabsolute“

„Viel „Einen-Caro-Landkaffee-und-einen-Tomatensaft-Publikum“ „

„Bei meinen letzten Besuchen habe ich dort immer Menschen angetroffen, die zu viel Alkohol getrunken haben. Die eine Hälfte schaute einen mit glasigem Blick und schiefer Unterlippe an, die andere Hälfte ist am Tresen oder auf dem Stuhl eingeschlafen.“

„Leute, meistens Männer, hängen wie Ölpumpen über ihrem Bier, welche schlafen mit dem Kopf auf dem Tisch, andere wissen gar nicht ob sie schlafen oder schon tot sind.“

„Die Gäste: 3 Leute, 8 Zähne, 200 Jahre Knast und weiteres eher alternatives Partyvolk. Vom Junggesellenabschied bis zur Drogenbraut schon alles dort gesehen.“

„Der Laden war übervoll, das Publikum Ü35 und um die Worte eines Partykollegen ungeschönt wiederzugeben „alles Schwänze“.“

„Vergesst alles, was ihr jemals über Anspruch und Eitelkeit gehört habt und stürzt euch in dieses Perpetuum Mobile alkoholisch-sozialen Austausches. Eine unscheinbare Treppe geht es hinauf und hinein in eine postapokalyptische Trümmerlandschaft gescheiterter und gescheiter Existenzen mit einer Stimmung zwischen Berlin-Zoo und Titty-Twister.“

„Außerdem trifft man stets auf extreme und einzigartige Menschen. Obdachlosigkeit ist dort kein Fremdwort. Manchmal trifft man auch auf sozusagen insgesamt „800000 Jahre“ Knast, wobei ich nichts bewerten will, denn SCHULD IST SEHR RELATIV…“

„Hier gelten noch die subtilen Regeln der Absturzkneipenkommunikation. Längerer, ungenierter Blickkontakt mit einem der anderen Gäste, die teilweise von der schäbig, siffigen Umgebung nicht unterscheiden sind, kann schnell zu aufgezwungenen Gesprächen oder schlimmeren führen (Körperkontakt). Wer etwas skurriles oder abartiges sieht, sollte nicht den Fehler machen nach dem Warum zu fragen. Generell sollte man den Versuch, zu verstehen was hier läuft, unterlassen, denn sonst kommt man schnell zu der gefährlichen Frage, was man selbst hier tut – kritische Selbstreflektion in den frühen Morgenstunden kann schlimme Folgen nach sich ziehen. Menschen mit Waschzwang oder anderen Reinlichkeitsneurosen sollten sowieso schon mal draußen bleiben.“

„Es ist ein Sehen und gesehen werden – eigentlich nur gesehen werden wollen. Das klingt zwar immer so verbittert, aber ich bin nun mal ein Quasimodo und werde halt immer zornig wenn ich seelenlose und bildhübsche Menschen sehe, sobald ich meinen Glockenturm verlassen.“

„Meistens überfüllt. Die Masse nimmts jedoch gelassen und bewegt sich weiter mit dem Knie oder dem halb verschütteten Bier des Nachbarn im Gesicht oder auf dem Rücken“

„ich werde da nie wieder einen Fuß reinsetzen und bin ehrlich empört. wir wollten ein Bierchen und happen zu essen, zur Not auch nur ersteres, aber uns nicht prügeln! absolute Frechheit!!“

„Diese Kneipe entspricht leider gar nicht meinem Geschmack, das Publikum ist weit gefächert, aber zum größten Teil besteht es aus Leuten die schon Nachmittags ordentlich angetrunken herumgrölen.“

„(…) müssen derweil im (…) am hamburger Berg schlafende Gäste vom Wirt mit einer Wasserpistole wieder in die Realität geflutet werden, und nur in die Jahre gekommene kiezgrößen wie lamborghini-klaus barkowski und domenica verleihen dem treiben, bei schlagermusik der 70 er aus der musikbox,gelegentlich etwas glanz und hinterlassen dabei den bitteren geschmack von tod & vergänglichkeit.“

„Das Publikum ist immer stark alkoholisiert, die Einrichtung stark in die Jahre gekommen, der Frauenmörder Fritz Honka war in den 70er Jahren Stammgast.
Die Luft ist übelst verqualmt, es gibt ein Holsten aus der Flasche, dazu ein Körnchen  irgendwie ist das ganze mittlerweile Kult.“

„Ein Besuch im (…)war für mich persönlich bisher immer ein eher trauriges Erlebnis – dennoch konnte ich schon einmal einem Gast eine „große Freude“ machen, indem ich ihm eine Zigarette spendierte. Manche mögen es „Kult“ nennen – ich persönlich betrachte den Laden eher als Zufluchtsstätte für diejenigen, die kein selbstbestimmtes Leben mehr führen können oder wollen.“

„Gucke Dir die Menschen dort genau an, frage Dich warum die Menschen hier so sind wie sie sind und versuche dieser Entwicklung aktiv entgegenzuwirken.“

„(…) Trotzdem sollte man irgendwie mit Gewalt umgehen können bzw. Nehmer-, oder Geberqualitäten haben…, denn in diesem Hexenkessel der Emotionen endet schnell eine Meinungsverschiedenheit im Krankenhaus…, ABER es kann auch so faszinierend und fesselnd sein, daß man gleich mehrere Tage und Nächte am Stück bleibt und nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht. Diesen Laden liebt oder hasst man. Kein Kompromiss möglich.“

 

Das Highlight im Kabinett der Abartigkeiten erreicht folgende Kaschemme:

„Man sieht die Transe und die Hausfrauennutte besoffen auf den Tischen tanzen, während am Nachbartisch sich ein Mörder, ein Punk und ein Rechtsradikaler unterhalten.
Bleibt man nur lange genug, sieht man wie die alte Putzfrau Ihren Besen schwingt um den Laden notdürftig zu reinigen.“

Einfach wunderbar <3

Ihre Molle ist nur leer und Sie haben Lust auf mehr? Plündern Sie die Urlabskasse, streifen Sie Ihre Draußenspielklamotten über und gehen Sie in die nächste Spelunke. Wir versprechen Ihnen, das ist das Real Life. Mit Pikatchu & Co lässt sich’s halt nicht saufen. Sollten Sie ähnlich lustig anmutende Erfahrungen machen, schreiben Sie unserem Kolumnisten an dr.p@gesellschafts-echo.de. Der ließt seine Mails eh nicht. Spielt lieber besoffen mit seinen Haustieren und parkt im Halteverbot – eben ein richtiger Real Lifer.

Das war’s, wir sind am Ende unserer aufregenden Reise durch die gastronische Dritte Welt. Hier noch einmal alle Kategorien für Sie übersichtlich dargestellt:

  • Service & Personal
  • Sauberkeit und Hygiene
  • Publikum
  • Speis‘ und Trank

 

Sie lieben pampige Bewertungen und schlechtes Essen? Dann stöbern Sie doch einfach mal in unseren FrustRatings – Lieferserive.

 

 

*Quelle: Yelp (ausgesprochen: Jälpp)

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