Fernschreiber

Hier lacht der Betrachter

Lettland (GE) Was passiert, wenn ein junger angehender Star-Zeichner sich initiativ bei einem Satire-Magazin bewirbt? Eine Festanstellung wird daraus wohl nicht werden. Wenn aber ein junger Karikatur-Zeichner einem Satire-Magazin helfen möchte, dafür aber Unmengen an €uronen verlangt, dann kann nur das dabei herauskommen, was in diesem Fall dabei herauskommen ist. Lesen Sie im unteren Original-Mail-Verkehr, wie eine Initiativ-Bewerbung vom Gesellschafts-Echo behandelt wird. Wem nach der zweiten Antwort schon das Zwerchfell aufgrund des Dauerlachens schmerzt, sollte auf eine weitere Mail-Bewerbung an die Redaktion verzichten. Rechtschreibfehler und das häufige Verwenden des Wortes „Ich“ sind in keinerlei Form von der Redaktion angepasst worden. Aber jetzt dürfen Sie genießen:

 

<xxxx-xxxx@gmx.de> hat am 10. Juni 2016 um 16:37 geschrieben:

Betr.: Bewerbung  als Karikaturist und Comiczeichner

 

mit großem Interesse habe ich Ihre  Magazin   gelesen und möchte mich gern kurz vorstellen:Ich heiße Xxxxxxx Xxxx, bin 30  Jahre alt und wohne in Leipzig.
Im Oktober 2010 habe ich meine Berufung durch einen  Lehrgang im Karikatur-Comiczeichnen unterlegt und erfolgreich  abgeschlossen.
Vom 21.01.2013-12.04.2013 nahm ich an der individuellen beruflichen Modularen IT-Weiterbildung teil.
Karikaturen zeichnen ist für mich  mehr als nur ein Hobby, es ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden..
Ich habe bereits fünf  Bücher veröffentlicht :
-Menzel Verlag„ Der Meister des Pinsels“ Pablo Picasso“
-Höll Verlag „Lasst uns lachen“ Oleg Popov
-Engelsdorfer Verlag „Sonnenclown Iwanuschka“ Karikaturen mit  Oleg Popov
-Rmd Verlag “Auf den Spuren von Picasso
-Econotion Verlag “ Musik von Engeln und vom Frieden“
Ich habe Idee für eure Magazin
Wir können Rubrik machen „Hier lacht der Betrachter“
In diesen Rubrik werde ich jeder Monat witzigen Cartoons machen
Themen für Cartoons Beziehung,  kochen , Musik Liebe , Stars, Style.

Ich zeichne auch nach Auftrag. Also, wenn Sie ein bestimmtes Thema hätten und eine Karikatur bräuchten

Ich verbessere  ständig meine Fähigkeiten. Ich bin sicher, dass es einen großen Bedarf an guten Ideen gibt.

Ich hoffe  meine Ideen werden Ihnen gefallen.

Hier ist meine Seite

https://www.facebook.com/gesellschaftsecho/ (Anm. d. Red. Seite wurde minimal angepasst)

Insbesondere bin ich an einer langfristigen Mitarbeit  interessiert.

Mit freundlichen Grüßen

Xxxx xxxx


Gesellschafts-Echo hat am Dienstag, 14. Juni 2016 um 14:39 Uhr geschrieben:

Betreff: Re: Xxxx xxxx

Hallo Xxxx,

es freut uns sehr, dass unsere satirische unrelevante Seite wenigstens für einen relevant zu sein scheint. Wir sind stetig dabei, unser Angebot für unsere Leser noch attraktiver zu gestalten. Vor allem die Idee einer Karikatur-Ecke würde uns sehr gut gefallen. Allerdings betreiben wir das Online-Magazin Gesellschafts-Echo aktuell komplett aus eigenen privaten Geldern. Von uns sitzt aktuell noch kein Redakteur im Glaspalast des EU-Parlaments und versorgt uns mit EU-Geldern.

Das einzige, was ich Ihnen anbieten könnte, ist unsere Plattform als Reichweite für Sie. Wir würden Sie als Künstler mit einem Beitrag vorstellen und eine eigene Rubrik erstellen. Hier könnten Sie (mit satirischen Hintergrund) Zeichnungen veröffentlichen. Ohne Scham, ohne Grenzen, immer frei Schnauze!

Wenn auch das für Sie interessant wäre, freue ich mich noch einmal von ihnen zu lesen.

Mit freundlichen #freeboehmi Grüßen,

– Herausgeber –
Gesellschafts-Echo

<xxxx-xxxx@gmx.de> hat am 14. Juni 2016 um 14:51 geschrieben:
Betreff: Re: Aw: Xxxx xxxx

Hallo Herausgeber,

Wenn wir Rubrik  machen „Hier lacht der Betrachter“
Ich mache jeder Woche ein  oder zwei Cartoons für Sie
Bekommen ich keine Cent dafür?
Bis dann
Xxxx xxxx

Gesellschafts-Echo hat Mittwoch, 15. Juni 2016 um 11:52 Uhr geschrieben:
Betreff: Re: Aw: Re: Xxxx xxxx

Hallo Xxxx,

merkwürdigerweise war dies mal keine Satire von den Jung-Satirikern des Gesellschafts-Echos. Wie erwähnt sind wir eine reine Privat-Institution, die sich aktuell selbst aus den Taschengeldern der Redakteure finanziert. Bitter: Der kleine Junge unseres Chefkolumnisten hat dieses Jahr kein Geburtstagsgeschenk bekommen, weil sein Vater alles in das Hosting-Paket des Gesellschafts-Echos gesteckt hat.

Jede Woche 1-2 Cartoons? Was hältst du denn von einem im Monat? Wir bieten dir wie angekündigt unsere komplette Plattform zur Bekanntmachung. Weil, wer hätte das gedacht: Wer ist sogar noch unbekannter als das Gesellschafts-Echo? Richtig: Xxxx xxxx (Anm. d. Red. Name des Interessenten) Spaß beiseite, das war Satire. #freexxxxxxx (P.S. Diesen Hashtag haben wir für dich selbst entworfen. Kostenlos. Ja, kostenlos!!!) Habe drei Ausrufezeichen verwendet, weil dann die Bedeutung mehr betont wird.

Gerne kannst du uns nutzen, wir sind aber eine reine selbstfinanzierte Online-Zeitung, die nicht auf GEZ- oder Geschmack von Privat-Sendern angewiesen ist. Freiheit für Alle! Freiheit für das Gesellschafts-Echo! Freiheit für Xxxx xxxx!

Sollte der Durchbruch durch unsere Kooperation mit der Huffington Post, dem MyDirtyHobby-Kanal der älteren Tochter unseres Chefkolumnisten (Zu Beginn erwähnte ich kurz unsere bittere finanzielle Situation) oder durch das Veröffentlichen unserer ersten Unterlassungserklärung kommen, wirst du partizipieren.

Bis dahin wünscht der Herausgeber dir einen guten Schwung mit dem Bleistift. Tu es!

P.S. Benutzt du auch Tuschkasten? In der 2. Klasse durfte ich nie mit dem Deckweiß rumspielen. Das würde ich bei der Gelegenheit gerne nachholen.

– Herausgeber –
Gesellschafts-Echo


<xxxx-xxxx@gmx.de> hat am 15. Juni 2016 um 12:51 geschrieben:
Betreff: Re: Aw: Re: AW: Xxxx xxxx

Hallo Herausgeber,

Nein ich benutze nicht Tuschkasten
Bekomme ich Vertrag das ich arbeite für Sie?
Muss ich Geld bezahlen für Sie oder
hab nicht so ganz verstanden
Wie aussieht Arbeit mit Ihnen?

Gesellschafts-Echo hat am Mittwoch, 15. Juni 2016 um 13:37 Uhr geschrieben:
Betreff: Re: Aw: Re: AW: Re: Xxxx xxxx

Hallo Xxxx,

unsere Verlagsgeschäftsführung setzt gerade für dich einen Vertrag auf. Das wird allerdings noch ein paar Tage dauern, da der offizielle Satire-Notar bis Ende der Woche auf einer Weinmesse ist. Folgende Konditionen haben wir festgesetzt und uns intern von der juristischen Fachabteilung bereits absegnen lassen:

– Wir schliessen einen gemeinsamen Vertrag. Der Vertrag ist begrenzt auf eine Laufzeit von einem Jahr. Start: 01.07.2016.
– Das Gesellschafts-Echo richtet eine Rubrik „Hier lacht der Betrachter“ auf Ihrer Seite ein.
– Unter der Rubrik „Hier lacht der Betrachter“ werden die Zeichnung von Xxxx xxxx (im folgenden #freexxxxxxxx genannt) kontinuierlich periodisch veröffentlicht.
– #freexxxxxxxx verpflichtet sich dazu, 2 Zeichnungen pro Woche dem Gesellschafts-Echo in digitaler Form zur Verfügung zu stellen.
– Die Rechte werden je abgelieferter Zeichnung von #freexxxxxxxx komplett an das Gesellschafts-Echo übertragen.
– Die Zweitveröffentlichungsrechte von #freexxxxxxxx liegen komplett beim Gesellschafts-Echo.
– Pro zugesandter Zeichnung erhält das Gesellschafts-Echo 3 (in Worten drei) Euro von #freexxxxxxxx.
– Die aufgelaufenen Kosten werden mit der Monatsrechnung zum letzten Werktag des Monats beglichen.
– Die Rechnungen sind zahlbar innerhalb von 14 Tagen netto – ohne Abzug.

Klasse, dass du an Bord bist. Meinst du, dass du dir einen Tuschkasten zulegen kannst? Ich finde tuschen einfach toll.

Unser Notar wird sich zeitnah bei dir melden.

Wie du merkst, ist das Gesellschafts-Echo tatsächlich das Echo der Gesellschaft.

Mit wegradierten Grüßen,

– Herausgeber –
Gesellschafts-Echo


<xxxx-xxxx@gmx.de> hat am 15. Juni 2016 um 14:23 geschrieben:
Betreff: Re: Aw: Re: AW: Re: AW: Xxxx xxxx

Ich muss 3 Euro bezahlen für was?
Habe ich richtig  verstanden?
oder haben Sie etwas falsch geschrieben

 

Gesellschafts-Echo hat am Mittwoch, 15. Juni 2016 um 16:19 Uhr geschrieben:

Betreff: Re: Aw: Re: AW: Re: AW: Re: Xxxx xxxx

Hallo #freexxxxxxxx,

vielen Dank für dein Feedback. Leider kann ich den in Gang gesetzten Vorgang nicht mehr stoppen. Die Vertragsunterlagen machen sich, nachdem der Notar von der Weinmesse wiederkehrt, auf den Weg zu dir (Unser Notar hat mir von der Weinmesse übrigens gerade ein Foto geschickt. Die Krawatte um die Stirn gebunden und das weiße Hemd voll mit Rotweinflecken). Aber mach dir keine Sorge. Deinen Arbeitsvertrag kriegen wir noch notariell beglaubigt.

Unsere juristische Abteilung wies mich eben noch in einer Mitteilung via Hauspost darauf hin, dass mit dem Absenden dieser Mail dein Vertrag offiziell in Kraft tritt. Von meiner Seite jetzt auch noch mal ein offizielles: Herzlich Willkommen!

Auf der im September anstehenden Messe „Jagd und Hund“ wollen wir dich gerne der versammelten Presse vorstellen. Hast du ein Hemd in Farben des Gesellschafts-Echos (Orange/Lachs)? Bitte notiere dir den Termin schon einmal in deinem Kalender.

Das gesamte Team freut sich schon auf dich. Unser Chefredakteur wird dich zeitnah in die publizistische Leitlinie unseres Online-Magazins einführen.

Viele Grüße und gib uns bitte kurz bescheid, wenn der Vertrag bei dir angekommen ist. Unsere Buchhaltung scharrt schon mit den Füßen und möchte die erste Rechnung fristgerecht losschicken. Rechnungsadresse ist die uns Bekannte?

P.S. Wenn wir gemeinsam die ersten Striche mit dem Tuschkasten vornehmen, hätte ich gerne bereits mein eigenes Material. Meinst du ich kann mir den von Pelikan kaufen? Damals hatte die dicke Tanja eine Reihe vor mir immer einen von Pelikan. So einen möchte ich jetzt auch haben.

https://www.amazon.de/Pelikan-720631-Deckfarbkasten-Qualitätsfarben-Deckweiß/dp/B015R2BMJI

Diesmal ohne Hashtag-Grüße,

– Herausgeber –
Gesellschafts-Echo


 

<xxxx-xxxx@gmx.de> hat am Mittwoch, 15. Juni 2016 um 17:06 Uhr geschrieben:

Betreff: Re: Aw: Re: AW: Re: AW: Re: AW: Xxxx xxxx

 

Sehr witzig
Selbst geschrieben?

 


 

Gesellschafts-Echo hat am Mittwoch, 15. Juni 2016 um 18:26 Uhr geschrieben:

Betreff: Abwesenheitsnotiz

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Leserschaft, verwirrte Cartoonisten,

ich befinde mich bis zum 15.09.2017 im Urlaub.

Ab dem Montag 18.09.2017 bin ich wieder gerne für Sie erreichbar.

Meine E-Mails werden nicht weitergeleitet, weder bearbeitet. Liebe Kunden, dass kennen Sie aus der gemeinsamen Vergangenheit bereits. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte direkt an Heike Empfangsdame DW=321 (DW = Kurzform für Durchwahl), heike.empfangsdame@gesellschafts-echo.de (Das ist Ihre Mail-Adresse).

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Ihr,

– Herausgeber –
Gesellschafts-Echo


 

Gesellschafts-Echo hat am Mittwoch, 22. Juni 2016 um 09:38 Uhr geschrieben:
Betreff: Re: Abwesenheitsnotiz

Labdien Herr Xxxx,

ja sicher selbst geschrieben, kann ja nicht jeder immer nur mit dem Tuschkasten hantieren. Hat Dich die Rechnung mittlerweile erreicht? Die Postleitzahl war doch „Riga 1011 – LV“ ?
Wir freuen uns auf deine Zeichnungen!
#freexxxxxxxx
Atā, das Echo.

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