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Das Gesellschafts-Echo begrüsst seine neue Kolumnistin „Marla Kolumna“!

Zwischen Assessment- und Jobcenter (GE) Es ist vollbracht: Der Bewerbungsmarathon der letzten Wochen und Monate zog sich hin wie die nicht enden wollende Schwangerschaft von Daniela Katzenberger: Schlechte Laune, scheiss Make-up, zuviel Alkohohl und langsam einsetzender Haarausfall. Die Redaktion schreibt aktuell auf dem Zahnfleisch. Eine Zumutung für das betroffene soziale Umfeld. Hunderte Bewerbungen trafen seit November 2015 auf die inserierte Stellenanzeige ein, Headhunter telefonierten sich am Praktikanten die Ohren blutig, rechtskräftige Unterlassungsklagen an abgewiesene Bewerberinnen wurden aufgesetzt, Zukunftspläne zerissen und im Altpapiercontainer archiviert.

Nach vielen schlaflosen Nächten, und noch mehr geführten Jobinterviews, können wir endlich aufatmen und freudig verkünden: Wir haben sie! Unsere Kolumnistin ist endlich an Bord des gesellschaftlichen Unterhaltungsdampfers angekommen und tuckert nun gemeinsam mit uns auf dem literarischen Ozean in Richtung mediales Bermuda-Dreieck.

Doch wie sieht heutzutage ein moderner Bewerberprozess aus? Welche Softskills sollte ein(e) Jobsuchende(r) vorgaukeln? Welche falsche Antworten auf unnötige Fragen gegeben werden? Wie spielt man sich in die Herzen einer ganzen Redaktion? Wir machen es transparent für Sie und veröffentlichen nun das kleine Best-of-Kolumnisten-Bewerbungsgespräch. Von vorne bis hinten (ugs.: chronologisch). 

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Hallo Chefredakteur, hallo Herausgeber (…) Ich passe perfekt auf das ausgeschriebene Profil, da ich:

1. weiblich bin und mich

2. hervorragend als Kolumnistin eigne. Einziger Haken an der Sache: Ich koche keinen Kaffee. Und? Ich freue mich auf eure Antwort! Marla Kolumna“

Frau Kolumna, 

erst einmal schön, dass es dich gibt – Du bist etwas ganz ganz Besonderes.
 
Noch schöner ist allerdings, dass Du über unsere Menschenfängeranzeige gestolpert bist und Interesse an der „Stelle“ hast. Dir ist hoffentlich bewusst, dass wir uns inhaltlich nahe am Altpapier bewegen und jedes Katzenbabyfoto online mehr Ressonanz erfährt als wir?
 
Falls Dir diese Nebensächlichkeiten wumpe sind und Du weiterhin für deine Kolumne brennst, möchten wir Dir gerne einige unnötige Aufgaben und Fragen stellen, um einen Bewerberprozess vorzugaukeln und so eine künstliche Barriere zu schaffen.
1) Was bedeutet es für Sie persönlich, im Gesellschafts-Echo veröffentlicht zu werden?
„Im Gesellschaftsecho veröffentlicht zu werden bedeutet mir persönlich die Möglichkeit, möglichst viele Leser vor den Kopf zu stoßen mit politisch inkorrekten, unglaublich respektlosen Interpretationen tagesaktueller Themen“
2) Warum haben Sie noch keine neue Stelle gefunden?
„Ha, ha!“
3) Was wissen Sie über unser Unternehmen?
“ Über Ihr Unternehmen weiß ich: Nicht ganz Sonneborn, was?! Aber gut genug.“
4) Welches Gehalt stellen Sie sich vor?
„Dreieinhalbtausend Einstiegsgehalt. Selbstverständlich. (Hand aufs Herz: Es ist mir -fast- egal)“
5) Wären Sie bereit, umzuziehen?
„Nö. Ich lasse mich aber einfliegen. Gerne auch immer Freitags zum Prosecco“
6) Was ist Ihr größter Fehler – und was haben Sie daraus gelernt?
„Mein größter Fehler ist meine absolute Unfähigkeit zum Mittagsschlaf-Halten. Wenn ich doch mal außerplanmäßig einpenne, benehme ich mich im Anschluss hitleresque. Daraus gelernt habe ich, dass ich wochentags nicht vor 12:00 Uhr kiffen sollte.“
7) Wo möchten Sie in fünf Jahren mit dem Gesellschafts-Echo stehen?
„Vor einem Pool im redaktionseigenen Penthouse. Natürlich mit einer Bloody Mary in der Hand.“
8) Was werden Sie in den ersten 30 Tagen dieses Jobs unternehmen?
„Die ersten 30 Tage lang werde ich ein selbstbedrucktes T-Shirt tragen, auf dem „Antifeministisch und volkstreu“ stehen soll. Ich schwöre feierlich, es nicht mal zum Duschen auszuziehen.“
9) Angenommen Sie finden heraus, dass Ihr Arbeitgeber etwas Verbotenes tut – wie gehen Sie damit um?
„Verboten von wem? Vom Staat? Von Gott? Vom gesellschaftlichen Moralkontext? Von der Ästethik oder der Rechtschreibereform? Solange die Fragestellung nicht konkretisiert werden kann, möchte ich mich in der Antwort nicht festlegen“
10) Verkaufen Sie mir diesen Bleistift!
„VERPISS DICH!“
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Verehrte Leserinnen und Leser, wer sich so eloquent, hitleresque und gleichermaßen motiviert gibt, kommt eine Runde weiter. Egal wo.

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Tach‘ Marla Kolumna, die Fragen wurden bereits, nun ja, sehr interessant beantwortet, besonders die Affinität zum Alkohol und weiteren Betäubungsmitteln kommt super bei uns an! Weiter so! Rein thematisch würdest Du super in unser nichtsnutziges Ensemble passen. Ich habe Deine Texte einmal zur Ansicht an die Mitentscheider weitergeleitet Wer haben am Samstag ein konspiratives Alkoholtreffen und werden dann die Köpfe zusammenstecken (…) Wir melden uns dann kommende Woche bei Dir. Bitte schraube bis dahin sämtliche Erwartungen an deine Zukunft auf Null herunter, selbst unser Praktikant zahlt für seine Mitarbeit bei uns aktuell drauf.

Hast du schon 2-3 vorzeigbare Texte, Inhalt/Thema sind hierbei sekundär, die Du uns zukommen lassen kannst? Ehrlicherweise haben unsere bisherigen Kolumnisten die Messlatte fast auf den Boden fallen lassen, sodass wir relativ schnell zu beeindrucken sind. Wir hoffen auf einige Rechtschreibfehler, das ist ein zentrales Qualitäts-Kriterium für uns. Mit wahllosen Grüßen aus den hamburger Redaktionsräumen.“

„Aha! Das freut mich aber sehr.(…)“ Textproben: In der Hoffnung, nun die Messlatte nicht vollends in den Boden zu stampfen schicke ich euch mal ein Sortiment. Und verlasse mich darauf, dass der Inhalt von zweitrangiger Wichtigkeit sein darf!  Wer sich an den Urheberrechten vergreift, bekommt den Frack voll, da verstehen wir uns.“

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Nach intensiver Textanalyse unter Anwendung der AW-Textanalysemethode (Ausdrucken+Wegwerfen) stand fest: Marla Kolumna muss kontrahiert werden. Das folgende Telefoninterview lief, wie es sich jeder Arbeitgeber wünscht:

a) Der Bewerber ist nüchtern,

b) stellt keine Fragen und

c) nimmt die unzumutbaren Bedingungen anstandslos hin.

Die Redaktion freut sich wie Bolle über den Zugewinn an literarischem Humankapital! Begrüßen Sie mit uns das noch unbeschriebene Blatt, die aus der süddeutschen Provinz stammende, einzigartige Lebenskünstlerin, nagellackliebende, weltbereiste, endlich seriöswerdende und äußerst technikaffine Marla Kolumna.

Freuen Sie sich auf die schonungslose Aufdeckung von Alltagssituationen und deren fiktive Überzeichnung, auf Verwerfungen gesellschaftlicher Konventionen, auf emotionale und anspruchsvolle Texte.

Die Redaktion ist weiterhin bemüht, die gewohnte Dichte an Rechtschreibfehlern für Sie zu gewährleisten, aber auch wir machen Fehler. Sollten Sie zu Marla Kolumnas Beiträgen kritische Anmerkungen haben, wie gewohnt an fe@gesellschafts-echo.de. Ernst gemeinte Abwerbeversuche unter Nennung der Ablösesumme bitte an to@gesellschafts-echo.de

Liebe Marla Kolumna, die Redaktion heisst dich herzlich willkommen!

4 Kommentare zu Das Gesellschafts-Echo begrüsst seine neue Kolumnistin „Marla Kolumna“!

  1. Endlich hat Euer Sexismus ein Ende! Ich erwarte zukünftig mehr Hirn und weniger Schwanz von Euch und insbesondere Marla!

  2. Boah ne, gibt sich einer von euch Spackos jetzt als Tussi aus?
    und he, zu doof zum lesen oder was? Carla schreibt man mit M

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