Fernschreiber

Saufen bis der Arzt kommt…

Saufen bis der Arzt kommt,
ein Satz den wir hier zulande fernab von Flüchtlingen, Fracking und Co immer häufiger hören. Doch warum ist das so und vor allem, welche Personen gehen mit dieser kühnen, wie auch frappierenden Aussage hausieren? Euer Dr. P hat sich auf Reise gemacht und ist mit Antworten wiedergekommen.

Es sind überwiegend diejenigen, die Vaterstaat und Mutternatur scherzhaft unsere „Zukunft“ nennt. Heranwachsende: Schüler, Azubis, Taugenichtse und Teppichknüpfer. Kinder die in unsere perfekte Welt hineingeboren und dennoch unzufrieden sind. Übersättigt, ja gar vollgestopft bis zum Rand, bin ich ihnen begegnet. Ihr fragt euch sicher, wo ich wohl derart verrohte Individuen angetroffen habe? Die Bühne für das folglich beschriebene Schauspiel spendiert uns heute das Ehrenmal am Bramfeldersee, in unserem beschaulichen Hamburg. Ich bin bereits vor Ort als die Meute auf ihren Ox-Boards den Schotterweg hinauf saust. Zwei Banausen, vermutlich aus einer anderen Richtung kommend, reisen über den See mit Jet-Skis an. Das Rudel verteilt sich auf die umliegenden Parkbänke. Allesamt gekleidet im feinstem Garn, gesponnenene haute Couture. Ihre Hosen, Jacken und Schuhe zieren Labels wie Billabong, Element oder Bergans. Ein weiteres Accessoire, welches sie alle eint, ist der Rucksack. Eastpak. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Das gleiche gilt auf den ersten Blick auch auf den Inhalt, aber eben nur auf dem Ersten. Ein jeder zaubert eine andere Spirituose aus dem Beutel.

Wodka, Whiskey, Apfelkorn,
doch keinesfalls billiger Fusel, mitnichten. Grey Goose, Chivas Regal und dergleichen ist auf den Etiketten zu lesen. Das weitere Spektakel beschäftigt sich damit, wie jeder versucht als erster den Verlust der Muttersprache herbeizuführen. Das ganze untermalt mit Anschuldigungen über das Versagen des Elternhauses und wann „zum fick nochmal“ das neue iPhone auf den Markt kommt. Alles recht einfallslos. Überhaupt muss ich sagen, dass dies die einzige verbale Unterhaltung ist. Die restliche Kommunikation findet ausnahmslos über das Smartphone statt. Und das meist mit Nichtanwesenden über Anwesende. Alkoholbedingte Missgeschicke werden dagegen blitzschnell in Ton und Bild festgehalten.

Während ich wie ein vermeintlich Pädophiler im Gebüsch hocke und Notizen mache, torkeln zwei der Trunkenbolde auf mich zu. Jetzt heißt es Hackengas. Wenn die alkoholisierte Meute mich sieht, gerät sie womöglich in Panik und nur Gott weiß, was dann passiert. Glücklicherweise erleichtern sich die Beiden nur: Der Eine seine Blase, der Andere seinen Magen. Das ist meine Chance: Ich fliehe unentdeckt samt meiner Unterlagen.

Auf meinem Rückweg ins Labor lasse ich die Eindrücke nochmal revué passieren und frage mich, was der ganze Scheiß hier eigentlich soll (ich hab einfach kein Bock mir noch mehr aus den Fingern zu saugen).

Verachtungsvoll Euer Dr. P

Ps.: Hört auf, eure verdammten Gören vollzustopfen und lasst das mit dieser antiautoritären Erziehung.

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