Fernschreiber

Vegetarier – Warum muss vegetarisches Fleisch wie frisch vom Metzger ausschauen?

Verehrte Leserschaft, in unserer Rubrik „Pro & Kontra“ stellen unsere Redakteure kontroverse Meinungen zu völlig irrelevanten und unwichtigen Themen gegenüber. Gelegentlich mit satirischen Hintergrund, aber immer häufiger um einfach die eigene Meinung loszuwerden. Sie können diese Rubrik beherzt als investigativen Dampfablasser mit keinerlei journalistischem Anspruch betrachten.

Das Thema des heutigen Beitrags: Vegetarier – Warum muss vegetarisches Fleisch wie frisch vom Metzger ausschauen? Die Redaktion freut sich sehr, heute einen Gastautor zu diesem Thema begrüßen zu dürfen (SR). Aber gehen Sie mit uns gleich in die Vollen. Ich hoffe, dass Sie schon gegessen haben. Es wird unappetitlich:

PRO (FE):

Auf jeder Feier wird irgendwie irgendwann irgendwo irgendwer am Grill als Vegetarier geoutet. Schlechter Mensch, schlechtes Essen, schlechter Humor. Was wird Vegetariern nicht alles angedichtet. Tofu-Wurst wird die neue Zigarette. Verpönt, verboten und gesellschaftlich nicht anerkannt. (Anm. d. Red. Erkennen Sie die Parallele zum Gesellschafts-Echo?). Warum soll das Essen vom Grill denn nicht aussehen, wie das Fleisch von allen anderen Gästen? An Beinen und Armen gefesselt wird jedem Vegetarier zu späterer Stunde doch schon unnötigerweise Wurstwasser einverleibt. Da darf doch wenigstens die Tofu-Wurst aussehen wie die Thüringer Bratwurst vom dicken Karl-Heinz am Nachbartisch. Das das Fleisch so verblüffend echt aussieht, ist meistens auch die einzige Integration in der Gruppe. Und das auch noch verlieren? No way! Ich glaube die Erklärung ist relativ simpel: Viele Vegetarier essen kein Fleisch, damit keine Tiere sterben. Schmecken tut’s ihnen trotzdem. Also essen sie Tofu mit Fleischgeschmack. So einfach in der Theorie. In der Praxis sieht es dann so aus: Erbswurst, Fettstift, Killerpelle oder Senfpeitsche. Es gibt viele Wörter für die Rügenwalder Tofu-Wurst. Wenn gleich zu erkennen wäre, dass es sich bei den eingekauften oder verzehrten Produkten um nachgeahmtes Leichengewebe handelt, kann jeder Vegetarier gleich mit einem T-Shirt und der Aufschrift „Ich bin Vegetarier. Ich bin dumm.“ rumlaufen. Homosexuelle bestimmen auch selbst, wann Sie Ihr Coming-Out haben möchten. Bipolare Persönlichkeiten bestimmen ebenfalls selbst, wann sie der Party-Meute ihr Alter Ego vorstellen und Politiker bestimmen selbst, wann populistische Aussagen angebracht wären. Das passiert alles selbstbestimmt. Also, auch Vegetarier sollten selbstbestimmend durch Land und Luft pilgern dürfen, ohne einen Stempel aufgedrückt zu bekommen.

Abschliessen möchte ich mit einem Statement von Brathenne81, die die Thematik noch einmal passend auf den Punkt bringt: „Vermutlich würden auch Spaghetti mit Tomatensauce als Fleischersatz diffamiert werden, wenn die Leichenfresser traditionell Würmer in Blut konsumieren würden.“ Verstehe ich nicht. Aber ich möchte unsere Leser noch einmal sensibilisieren und bitten: Verleiben Sie auf der nächsten Grillfeier ihrem vegetarischen Sitznachbar doch ausnahmsweise mal kein Wurstwasser ein. Vielen Dank!

KONTRA (SR):

Leichenteile in der Pfanne, Muskelzellen und Sehnen an Knochen in Papiertüten. Was klingt wie ein Schweden-Krimi, ist der stumpfe Alltag der in unserer Gesellschaft befindlichen Prädatoren.

Nach und nach setzen sich immer mehr Individuen von der grauen Masse der Fleischkonsumenten ab, leben vegetarisch, vegan und mitunter frutarisch. Bewusst. Wenn ich mich dazu entscheide, bewussten Verzicht auszuüben, brauche ich dann eine optische und haptische Anlehnung an das Bekannte und gezielt Abgelehnte?

Der Blick in die traurigen Augen der Fleischfachverkäufer_innen der Republik, mit dem Schweineherzen im Sinn und den Händen im Mett, lässt vermuten, dass es um die goldenen Ställe der Fleischgroßfabrikanten schlecht bestellt ist. Glücklicherweise kann man sich als Herr Wiesenhof, Herr Hoeneß oder Herr Rügenwalder Mühle die Gunst des kritischen Konsumenten sichern, indem man einfach sagt: „Fuck it. Dann machen wir es jetzt offiziell: Mit Fleisch hat unsere Wurst wenig zu tun!“

Zack, ab in die blaue Verpackung mit grünem Logo, die richtigen Keywords auf https://shop.rewe.de dazu und vertig ist die Vurst und der Vleischsalat. Das ist verlogen.

Schon Karl Gustav Nieritz (1795 – 1876) wusste: „Alles, was wir wirklich lieben, ist unersetzlich, und alles, wofür Ersatz nur denkbar ist, haben wir niemals wahrhaftig geliebt.“ Ersatz kann und darf keine Alternative sein, Alternativen und Annäherungen an Verhasstes sind Selbstbetrug und die Makulatur der Moral.

Katholische Priester nehmen die Buben so, wie sie sind, Haare auf Glatzen ändern nicht die Gesinnung und Gruscheln macht Myspace nicht zu Facebook. Wisch den Konzernen einen aus, steig während der Fahrt aus dem Taxi und bedanke dich fürs Mitnehmen, geh zum Spülen ins Schwimmbad und fahr Fahrrad auf der Autobahn. Valsch herum. Denn das ist allemal besser, als sich Vegetarier-Wurst reinzupfeifen. Oder hat Schill damals Mehl geschnieft, nur weil es weiß ist?

Allen Lesern möchte ich bei aufkommendem Hunger zum herzhaften Biss in den Tofu-Block raten, denn das Phänomen der Bärchenwurst mit süßem Gesicht ist der kastrierten Vorstellungskraft des postmodernen Urbaneunuchen ebenso zuzuschreiben wie der billige Vorstoß beliebter Fleischgroßfabrikanten, die moralischen Grenzen des KKK (Kollektiv Kritischer Konsumenten) auszuweiten und der gezielte Geschmacksnerventod unterstützt die Nahrungsvielfalt ungemein.

Halte #einearmlaenge Abstand zu fleischloser Wurst, denn das Einzige was in diesem Land ausschauen sollte wie frisch vom Metzger, sind die Hackfressen von AFD und Pegida.

Was meinen Sie verehrte Leser? Wie stehen Sie zu diesem Thema und welcher Redakteur hat Ihrer Meinung nach gewonnen? Lassen Sie uns einfach einen Kommentar unter diesem Artikel da. Der Verlierer wird auf der nächsten Redaktionskonferenz gesteinigt. Versprochen.

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