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Voll-Rausch-Kneipenreport: Drossel

Unsere erste Reise führt uns in „Die Drossel“ in Hamburg Barmbek.

Es wehte eine steife Brise aus Nordwest. Mit einem Freund öffnete ich die Tür „Der Drossel“ und trat ein. Die Pilsstube war ordentlich gefüllt: Am Tressen saßen 4 Männer; jeweils ein Stuhl zwischen ihnen. Es war zu erkennen, dass jeder alleine dort war. Wahrscheinlich hatte jeder seit dem Heranwachsendenalter keine Frau mehr gesehen. Wir legten Mantel, Stock und Monokel ab und warfen einen Blick auf die Taschenuhr. Die Stunde schlug gerade 20 Uhr. Eine gute Zeit, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen, dachten wir.

So setzen wir uns neben einen bärtigen Mann, der traurig in sein Glas stierte. Schon kam auch schon die dicke Wirtin. Wir bestelltem Bier und bekamen einen Schnaps kostenlos dazu. Sehr generös, dachten wir.  Wir fragten die Wirtin mit den 7 Haarfarben nach ihrem Namen:

„Wie heißen Sie wertes Fräulein?“ „Schanti“ ertönte es aus ihrem dicken Gesicht. „Ah, also ist ihr Name Chantal?“ „Halt’s Maul!“ Mit dieser rüden Antwort hatten wir nicht gerechnet.

„Ok, dann nehmen wir noch ein Bier.“ „Fresse!“ Die Frage nach ihrem Namen schien sie verstimmt zu haben. „Also gut, hier habt ihr noch eins.“

Plötzlich sah ich aus den Augenwinkeln, wie der Bärtige, als sich die dicke Chantal umgedreht hatte, sein Bierglas mit einer mitgebrachten Dose Paderborner füllte und aus einem Flachmann in sein Schnapsglas eingoß.

„Werter Herr, Sie scheinen schon länger in solch Wirtshäusern zu sein und könnten einem Neuling wie mir, sicher einiges zeigen.“ Traurig schaute er mich an. „Ja, seit ich in Rente bin und umziehen musste, habe ich keine Freunde mehr. Ich sitze hier sehr oft. Früher, da war ich Pilot und habe die Welt bereist, doch das ist längst vorbei.“

So sprachen wir also über damals, schöne Stewardessen, mit denen man früher noch während des Fluges schlafen konnte und die Einsamkeit. Unvermittelt fing er an zu weinen.

„Ich bin so schrecklich einsam“, schluchzte er. Was sollte ich sagen? Ich bin gerade erst am Anfang meiner Karriere als Taugenichts und habe noch Freunde. „Könnten Sie mir ein Bier ausgeben“, fragte der abgestürzte Pilot.

„Ich habe heute meine Börse vergessen.“ „Selbstverständlich, das kann jedem einmal passieren“, sagte ich und zückte meinen Beutel mit den Dukaten.

Ich fühlte mich aber bedrückt. Würde ich meine Reise in die Kneipen dieser Stadt durchstehen? Was würde mich noch erwarten? Ich erhob mich vom Stuhl, setze mein Monokel auf, nahm Mantel und Stock und trat in die dunkle Nacht…

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