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Krisen-PR und wie man die Krise am laufen hält

Thüringen (GE) Läuft es einmal nicht rund, muss man nicht gleich den Sand in den Kopf stecken (Lothar Matthäus), aber wenn frisches Blut in die Mannschaft rein soll, muss doch zumindest die Ampulle voll sein (Rudi Brückner). Also hat Faktenkontor die 10-Todsünden der Krisen-PR festgehalten: Spare am Frühwarnsystem. Wer den Shitstorm früh genug erkennt, kann ihn noch in einen Lovestorm umwandeln.

Da das aber viel zu elegant wäre: Lass es sein! Sondern verärgere deine Community noch weiter, in dem du Tweets verfasst, in denen du dir keine Schuld bewusst bist. Tauche erst einmal komplett unter. Bedeutet: Ab mit den Kollegen in den Feierabend und bei einer Flasche Riesling über etwas komplett anderes philosophieren. Ignorieren und Verleugnen ist jetzt die Devise. Gebt Gefühlen keinen Raum. Ist das Thema noch so emotional. Sind noch so viele Hundwelpen und süße Katzenvideos im Spiel. Völlig egal. Hier greift wieder das Motto: Ignorieren! Führe alle an der Nase herum. Lügen, Infiltrieren, Bestechen und Manipulieren. Alles ist erlaubt. Alles geht, nichts muss. Mache es wie bei Monopoly. Gehen Sie direkt ins Gefängnis, gehen Sie nicht über Los und stecken sich dann doch die 4000€ in die eigene Tasche ein. Wir machen sowieso keine Fehler.

Also müssen wir auch nichts eingestehen. Alles komplett überflüssig. Eine Entschuldigung ist sowieso nicht angebracht. Wir machen ja schließlich auch keine Fehler. Wenn alle Maßnahmen nicht gegriffen haben, na gut, dann muss doch mal die Wahrheit gesagt werden. Aber nur einmal kurz per Pressemitteilung. Möglichst offen gehalten und ohne etwas Verbindliches zu äußern. Am Besten die Wahrheit mit der gleichen Pressemitteilung raushauen, in der die Spende für die Kita um die Ecke genannt ist. Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Keine Agentur, kein Mitarbeiter, kein Kollege kann dir helfen. Verzichte auf gut gemeinte Ratschläge und verinnerliche das Krisen-Motto noch viel mehr: Ignorieren und Verleugnen.

Auf keinen Fall über den Kanal kommunizieren, auf dem der Shitstorm ausgelöst wurde. Wir bleiben bei der Pressemitteilung. Muss reichen. StudiVZ gibt es ja schliesslich auch nicht mehr. Also werden Facebook und Twitter auch vorübergehen. Niemals, wirklich niemals selbst kommunizieren. Das könnte den Shitstorm nur abwenden und hilft uns nicht weiter. Also: Immer die Kollegen von der Rechtsabteilung vorschicken. Die könnte ja auch Blanko-Abmahnformulare dabei haben. Nur so als Idee. Die ersten Regeln haben nicht geholfen? Egal, Diese Regel ist die Wichtigste:

Suche einen Schuldigen, dem du alles in die Schuhe schiebst. Fehler eingestehen könnte den Shitstorm nur abschwächen und das wollen wir ja nicht wirklich nicht. Kann jetzt noch etwas schiefgehen? Glaube nicht. Also rein in die Krisen-PR und Ahoi Shitstorm. Wir in der Redaktionen handhaben das übrigens genauso.

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