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Deutschland 2015: Ein Land das streikt

Bonn (GE) Die über 80 Millionen Einwohner in Deutschland sind ein streikfreudiges Völkchen. Das Streikrecht ist im Grundgesetz verankert. Das ist auch gut so. Wie sollen sonst Regierungen und Parlamente unter Druck gesetzt werden.   Auch die Ausweitung des Streikrecht auf die moderne Arbeitswelt ist richtig. Am Rande erwähnt sei hier nur eine Textilwarenfabrik in Thailand. Bangladesch. Dort gab es vor dem Unglück 2014 kein Recht auf Streik. Keine Möglichkeit Arbeitsbedingungen zu verbessern. Das Recht zu streiken muss auch weiterhin beschützt und in Ausnahmefällen zu einer Schlichtung führen. Das Wort Ausnahmefälle ist in diesem Kontext bewusst gewählt. Die Auswirkungen eines Streiks trägt neben dem Arbeitgeber hauptsächlich die eigene Bevölkerung. Wären wir in einem chinesischen Kalenderjahr, wäre das Jahr 2015 das Jahr des Streik. Die deutsche Bahn hat mit ihrem obersten Boss Herrn Weselsky die Arbeitswege vieler Bürger einfach lahmgelegt. Gefühlt wurde bei der deutschen Bahn immer mal wieder das ganze Jahr über gestreikt. Die GDL wollte für die EVG verhandeln. Das wollte die EVG aber nicht. Warum auch? Ist Sie nun schliesslich auch die größte Kraft im Tarifstreit. Vielleicht sollte auch nur das neue Tarifeinheitsgesetz abgewartet werden, das Mitte 2015 in Kraft treten soll. Man weiß es nicht so genau. Für den aussenstehenden wirkt das ganze eher wie ein Machtspiel. Aber sollte es nach aussen hin nicht eher wie ein Weg ausschauen, auf dem eine gemeinsame Lösung gesucht werden soll.

Bei dem Streik der GDL, wenn man überhaupt von Gewinner oder Verlierer sprechen kann, wirkt die Bahn aus imagetechnischen Gründen als Gewinner. Zu sehr war der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky, von den Medien als Darth Vader unter den Streikführern hingestellt worden. Und da nicht nur der Personenverkehr, sondern auch der Gütertransport bestreikt wurde, leidet auch die deutsche Wirtschaft schwer unter den Streikbedingungen. Lager laufen leer, die Produktionsstätten haben keine Rohstoffe mehr und in schlimmsten Fall stock die Produktion oder fällt ganz aus. Experten schätzen den Verlust der Wirtschaft auf über 500 Millionen Euro (ausgeschrieben 500.000.000 Euro). Die Grauzone ist hierbei weit größer. Nicht nur die deutsche Bahn hielt den deutschen in diesem Jahr den Atem an. Auch die Piloten der Lufthansa setzten den Streik als Mittel zum Zweck ein. Neben den Passagieren sind auch die örtlichen Flughäfen betroffen. Der Frankfurter Flughäfen vermeldete Anfang des Jahres, dass durch den Verlust von ca. 500.000 Passagieren, ein Schaden von etwa 10 Millionen Euro entstehen würde. Das betrifft nicht nur die Airlines, sondern auch den Rosenverkaüfer, den Kioskbetreiber oder den Taxifahrer. Und warum das ganze? Bisher können Piloten mit 55 Jahren in den Vorruhestand gehen. In den bezahlten Vorruhestand.

Bis die eigentliche Renteneintrittszeit erreicht ist, erhalten Vorruheständler 60 Prozent ihrer Bezüge. Jede andere Branche würde vor Freude Luftsprünge machen und Purzelbäume schlagen. Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Interessen und Ziele anderer Branchen sind. Wenn man von einem nachvollziehbaren Streit sprechen kann, dann von diesem. ver.di hat die Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Beginnend ab dem 8. Mai. Laut ver.di sind 53.400 Kindertagesstätten betroffen, in denen etwa 3,2 Millionen Kinder betreut werden.

Worum geht es hierbei? Die Erzieherinnen und Erzieher wollen höhere Tarifgruppen eingeordnet werden. Und mal ganz ehrlich: Wer die Zukunft Deutschlands aufzieht, der muss dafür auch dementsprechend entlohnt werden. Durchschnittlich fallen 10 Kinder auf einen Erzieher. Eine individuelle Förderung oder Rücksichtnahme auf ein einzelnes Kind kaum ist hierbei kaum möglich. Und nun also die deutsche Post. Die Briefträger und Paketboten befinden sich gerade in einem unbefristeten Streik. Streitgrund ist die unterschiedliche Bezahlung.

Sind die einen mit einem Haustarifvertrag der Post ausgestattet, werden die anderen nach regionalen Tarifen der Logistikbranche bezahlt. Gefordert werden eine Einmalzahlung von 500 Euro und ein Lohnplus von 2,7 Prozent. Irgendwie etwas nachvollziehbar. Warum soll mein Nachbar mehr verdienen, obwohl er die gleich Hecke hat wie ich. Das Ausland findet unser Streikrecht bestimmt spannend. Wenn einem die Arbeit nicht gefällt: „In Deutschland könntest du jetzt streiken.“

Als Wirtschaftsstandort Nummer eins in Europa, sollte wir auch etwas den Ruf bewahren. Vielleicht hinter verschlossenen Türen verhandeln oder eine Streikkultur entwickeln, die auf Zuhören und Reden basiert. Es bleibt weiterhin spannend. Die Mannschaft des HSV hat dieses Jahr auch gestreikt. Sogar eine ganze Saison lang. Viele Menschen waren darüber auch sauer. Aber die Angestellten des Hamburger Sport Verein haben kein Streikgeld bekommen. Sie haben das volle Gehalt bekommen

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